Zuschauerrekord und spektakuläre Spiele

Michael Jonas - 29.12.2018

„Knackpunkt war die 0:1-Niederlage in Lotte. Danach haben wir nicht mehr viel auf die Reihe bekommen.“ Die Worte von Marco Königs spiegeln die Unzufriedenheit bei Hansa Rostock wider. Doch nicht nur die Ostseestädter taumeln in der besten 3. Liga aller Zeiten. Eine Bestandsaufnahme.

Enttäuschungen: Eintracht Braunschweig, das 2017 noch an das Tor zur Bundesliga klopfte, geht mit nur zwei Siegen und 14 Punkten aus 20 Spielen als Tabellenletzter in die Winterpause. Acht Punkte sind es bis zum Nichtabstiegsplatz. Der Mega-Absturz in die Regionalliga droht vielleicht auch deshalb, weil es bei der Eintracht an einem Drittliga-Konzept fehlt. Im Vorbeigehen hält man die Klasse nicht. Wie schwierig der Übergang von der 2. Bundesliga in die tiefere Spielklasse ist, zeigt auch das Beispiel 1. FC Kaiserslautern. Der Traditionsklub geht mit einer völlig veränderten Formation (16 Zugänge, 25 Abgänge) in die Saison und stellt - wenn überhaupt - als Elfter derzeit nur Mittelmaß dar. Zudem droht am Betzenberg angeblich eine Insolvenz. Auch Hansa Rostock (8.), 1860 München (9.) und die Würzburger Kickers (12.) laufen ihren Erwartungen hinterher.

Überraschungen: Neben dem VfL Osnabrück, der in der vergangenen Saison noch tief im Abstiegskampf steckte und als Spitzenreiter in die Winterpause geht, ist das gute Abschneiden des Karlsruher SC nicht unbedingt zu erwarten gewesen. Vor allem dank der Torjäger Marvin Pourie (11) und Anton Fink (9) lebt der Traum von der Zweitligarückkehr weiter. Aufsteiger KFC Uerdingen muss im letzten Spiel vor der Winterpause zwar eine deftige 0:4-Niederlage in Unterhaching hinnehmen, startet als Dritter mit den meisten Siegen (12) aber aussichtsreich in zweite Saisonhälfte starten. Das sieht auch Trainer Stefan Krämer so: „Wir spielen um den Aufstieg.“ Vor allem dank der finanziellen Zuwendungen von Mik­hail Po­no­ma­rev , der Spieler wie Weltmeister Ke­vin Groß­kreutz oder die Ex-Bundesligaprofis Ste­fan Ai­gner und Do­mi­nic Ma­roh holte, peilt der frühere Europacup-Teilnehmer den dritten Aufstieg in Folge an. Den kann auch der Hallesche FC erreichen, der mit der zweitbesten Abwehr (19 Gegentore) aufwartet. Trotz eines deutlichen Kader-Umbruchs im Sommer hat Trainer Torsten Ziegner die Mannschaft auf Rang vier geführt. Auch die SpVgg Unterhaching ist mit vier Punkten Rückstand auf Rang zwei gut im Rennen.

Trainerwechsel: Als erster Klub ziehen unsere Sportfreunde die Reißleine und holen für den erfolglosen und umstrittenen Matthias Maucksch das Trainerduo Nils Drube/Sven Hozjak. Ein Glücksgriff. Eintracht Braunschweig misslingt der Neustart unter Henrik Pedersen völlig. Sein Nachfolger Andre´ Schubert macht es aber auch nicht viel besser. Bei Fortuna Köln weinen sie ihrem langjährigen Coach Uwe Koschinat, den es zum SV Sandhausen zieht, wohl heute noch Tränen nach. Für ihn kommt Tomasz Kaczmarek. Bei der SG Sonnenhof Großaspach löst Florian Schnorrenberg nach zehn Spieltagen Sascha Hildmann ab. Zehn Spieltage später überwintert der selbsternannte Dorfklub auf einem Abstiegsplatz. Hildmann bleibt nicht lange untätig und heuert für Michael Frontzeck beim 1. FC Kaiserslautern an. Schwer hat es Lukas Kwasniok bei Carl Zeiss Jena, wo er Klub-Legende Mark Zimmermann ablöst, der mehr als elf Jahre auf verschiedenen Ebenen im Klub tätig war. Die Thüringer stehen trotzdem nur auf Rang 18.

Zuschauer:
Vor allem dank der Traditionsklubs 1. FC Kaiserslautern (210 000), Eintracht Braunschweig (171 000) und 1860 München (165 000) gibt es einen Zuschauerboom. 1,64 Millionen Zuschauer (Schnitt: 8194) stellen einen neuen Spitzenwert in der Drittliga-Historie auf. Zum Vergleich: In der bisherigen Rekordsaison 2015/16 strömten im Schnitt "nur" 7.071 Besucher zu den Partien. Die wenigsten Besucher verzeichnete der SV Wehen Wiesbaden mit lediglich 2096 zahlenden Gästen pro Spiel.

Torjäger:
Bester Schütze ist bisher Stephan Hain (Unterhaching) mit 13 Treffern. Es folgen Marvin Pourie (KSC) 11, Daniel-Kofi Kyereh, Manuel Schäffler (beide Wehen-Wiesbaden) je 10, Marcos Alvarez (VfL Osnabrück), Anton Fink (KSC) je 9, Stefan Schimmer (Unterhaching) 8. 2,67 Treffer pro Spiel: Insgesamt fallen in 200 Spielen 534 Tore, was einen Schnitt von 2,67 Treffern pro Spiel ausmacht. 59 Tore fallen in der Anfangsphase, 132 in den Schlussminuten. Unsere Sportfreunde, Aalen und Münster gehören zu den Frühstartern. Sie bejubeln jeweils fünf Treffer in den ersten 15 Minuten.

Spektakulär: Das mitreißendste Spiel liefern sich Carl Zeiss Jena und Unterhaching in einer wahren Fußball-Schlacht, in der letztlich die Gäste nach mehreren Wendungen und einem Dreierpack von Stephan Hain mit 5:4 die Punkte heimbringen. Auch das Duell zwischen Schlusslicht Braunschweig und Spitzenreiter Osnabrück, das der VfL mit 4:3 für sich entscheidet, ist beste Werbung für die 3. Liga. Ebenso der überraschende 3:1-Sieg unserer Sportfreunde zum Einstand von Nils Drube und Sven Hozjak in Karlsruhe gehört zu den außergewöhnlichen Partien. Das markanteste Ergebnis fährt der SV Wehen Wiesbaden in Köln ein - und das ausgerechnet beim Debüt von Fortuna-Coach Tomasz Kaczmarek. 7:0 hieß es nach 90 Minuten, der höchste Drittliga-Sieg seit Jahren.