Westerhus zur Lage am Lotter Kreuz

04.12.2020

Noch drei Spiele der Hinrunde sind in der durch Corona geprägten Regionalliga West Saison 2020/21 zu spielen. Mit bisher nur 13 Punkten rangieren die Sportfreunde auf Rang 18 und damit auf einem Abstiegsplatz. Seit dem Regionalliga-Aufstieg 2008  standen die Blau-Weißen zur Saisonhälfte nie schlechter da, als aktuell. Verständlich, das Anspannung und Kritik im Umfeld am Lotter Kreuz wachsen. Der Vorstand um den Vorsitzenden Sven Westerhus nimmt sich der Kritik an und erklärt, was im Jahr der Corona-Krise anders ist, welche Schwierigkeiten es zu bewältigen gibt und glaubt an die Regionalligafähigkeit der 1. Mannschaft.

Sven, das Jahr nähert sich dem Ende, Corona begleitet uns nun schon seit 9 Monaten und viele sehen uns schon in der Oberliga. Wie siehst du das?

Sven Westerhus: die aktuelle Tabellensituation ist kritisch und nicht zufriedenstellend! Wir beobachten die Situation sehr genau und  befassen wir uns im Vorstand sehr intensiv damit. Die sportlich Verantwortlichen, aber auch der Vorstand haben in den letzten Wochen viele Gespräche mit dem Trainerteam und mit Vertretern der Mannschaft geführt. Der Mannschaft ist eine Verunsicherung anzumerken. Fußball ist auch zum Großteil Kopfsache und wenn du als Spieler nicht frei bist, merkt man das auch auf dem Platz. Allerdings teile ich die Meinung nicht, dass wir uns schon in der Oberliga befinden. Dafür ist es deutlich zu früh! Natürlich sind jetzt alle in der Pflicht, zu liefern, den Kampf anzunehmen und vor allem zu Punkten. Es braucht jetzt Grundtugenden des Fußballs und kein Hadern mit der Situation. Wir glauben an die Mannschaft und an ihre Qualität.

Du sprichst das Thema Mannschaft an: in letzter Zeit wurde viel darüber gesprochen, ob die Mannschaft zu Jung ist und nicht die Qualität besitzt, um in der Regionalliga zu bestehen. Wie siehst du das?

Sven Westerhus: Ich sehe das komplett anders. Natürlich haben wir viele junge Spieler, die noch nicht über so große Erfahrung verfügen. Aber wir spielen auch gegen junge Teams, wie z.B. die U-Mannschaften der Bundesligisten. Das darf nicht gelten. Außerdem gibt es in der Liga auch Mannschaften bei denen die Spieler tagsüber auf der Arbeit sind nur 3 Mal in der Woche trainiert wird. Hier muss ein Unterschied zu erkennen sein. Und nur Junge Spieler haben wir auch nicht. Wer sich den Kader anschaut wird feststellen, es gibt auch ältere Spieler die Erfahrung mitbringen. Ich glaube auch, dass die Jungs konkurrenzfähig sind und genug Qualität haben in der Liga zu bestehen! Sie bringen es im Moment nur nicht auf den Platz. Unsere Erwartungshaltung ist grundsätzlich eine Andere. Ein gesicherter Mittelfeldplatz muss drin sein!

Oft wird auch die mangelhafte Konkurrenzfähigkeit durch die angespannte finanzielle Lage begründet. Bei der Verpflichtung unserer Trainerin im Frühjahr hatte man noch ganz andere Möglichkeiten kommuniziert, die nun scheinbar nicht eingehalten wurden. Wie sehr schränken euch begrenzte Zuschauerzahlen, Geisterspiele und die Unsicherheit bei der Saisonplanung mit Corona ein und kannst du eine ähnliche Tendenz bei anderen Vereinen der Regionalliga West feststellen?

Sven Westerhus: Ja natürlich leben wir mit den Sportfreunden auch auf diesem Planeten und wir müssen uns den Herausforderungen stellen. Es stimmt, dass es vor der Saison Zusagen von den damals Verantwortlichen in Bezug auf den Etat der 1. Mannschaft gab. Aber durch die Krise war es extrem schwer, den Etat zu realisieren. So mussten wir früh Kürzungen vornehmen. Wir können von Glück sagen, dass wir viele tolle Sponsoren haben, die trotz der aktuellen Lage und den schwierigen Zeiten zu uns stehen. Allerdings gibt es natürlich auch welche, die im Moment nicht das machen können was Sie vorher für uns getan haben. Das wirkt sich natürlich im gesamten Verein aus. Wir handeln kaufmännisch und können kein Geld ausgeben, das wir nicht haben. Trotzdem konnten wir noch den ein oder anderen Spieler mit Erfahrung zu uns lotsen. Aber wir müssen das akzeptieren und mit den vorhandenen Spielern das Maximum herausholen. Das versteht glaube ich jeder in der aktuellen Zeit. Ich muss aber auch feststellen, dass wir von der Politik und dem Verband trotz geringer Zuschauerzahlen oder sogar Geisterspielen nicht im Stich gelassen werden! Es wurden entsprechende Fördertöpfe bereitgestellt, sonst würde es wohl schlimm aussehen. Denn nicht nur wir haben mit den Auswirkungen zu kämpfen, das betrifft die ganze Liga. Wir müssen aber auf uns schauen und weiter an den Themen arbeiten, damit haben wir mehr als genug zu tun. Für die Fans tut es mir auch leid. Fußball ohne Fans ist einfach nicht dasselbe.

Wir müssen jetzt sehen, dass wir die Geschäftsführer-Position besetzt bekommen. Wir hatten einige vielversprechende Gespräche geführt. Das Thema Marketing drängt auch nach den Rücktritten von Mario Becker und Frank Diederich. Das hat eine neue Baustelle aufgetan. Wir suchen aktuell auch dort Unterstützung. Zum Beispiel haben wir unser Stadion noch nicht vermarkten können, haben aber mit einem externen Partner noch Hoffnungen, einen längerfristigen Deal abzuschließen.

Und wie sieht dein Ausblick für die kommenden Wochen aus?

Sven Westerhus: wir brauchen kurzfristig Erfolg! Wir erwarten mindestens 5 Punkte aus den letzten 3 Spielen. Es muss sich zeigen, dass die Mannschaft einen Schritt nach vorne macht. Fußball ist ein Ergebnissport an denen sich alle messen müssen. Irgendwann greifen sonst die Mechanismen des Fußballs. Da hat man keine Wahl. Aber wir überstürzen nichts und werden nach jedem Spiel mit den sportlich Verantwortlichen zusammenkommen und in Ruhe abwägen, was die nächsten,  richtigen Schritte sein könnten. Es bleibt spannend und eine Menge Arbeit!