Herzschlagfinale ohne Happy End - 2:2 n.V.

02.06.2013

Es hat wieder nicht gereicht. Die Sportfreunde Lotte haben den Aufstieg mit einem 2:2 nach Verlängerung in letzter Sekunde verpasst und müssen RB Leipzig den Vortritt in die 3. Liga lassen. In einem unglaublich fesselnden und spannendem Fußballspiel mit toller Atmosphäre schoss Tobias Willers das 1:0 (25.), ehe Dennis Schmidt die Sportfreunde in allerletzter Sekunde in die Verlängerung rettete (90.+4). Durch Tore von Matthias Morys (96.) und Stefan Kutschke (110. Foulelfmeter) sicherten sich die Leipziger jedoch den Aufstieg.

Bei strahlendem Sonnenschein in einer gut gefüllten connectM-Arena starteten die Sportfreunde mit dem 0:2-Rückstand aus dem Hinspiel vor der Brust direkt druckvoll. Beide Teams brachten sofort Dampf in die Partie, Schiedsrichter Thorsten Schriever hatte von Beginn an alle Hände voll zu tun.

Die erste Chance des Spiels hatten aber die Leipziger: Nach einer Ecke stieg Fabian Franke zum Kopfball hoch und brachte den Ball aufs Tor, David Buchholz parierte sicher (17.).
Doch nur wenig später gaben auch die Sportfreunde Ihren ersten Schuss ab. Kevin Freiberger, der heute auf der rechten Seite begann, wurde per Kopfball im Strafraum angespielt, er verfehlte aber die Latte (21.). 

Die kämpferische Herangehensweise der Blau-Weißen wurde in der 25. Minute dann verdientermaßen mit dem 1:0 belohnt. Michael Hohnstedt brachte einen Freistoß von links in den Strafraum, der Ball rauschte über viele Köpfe, bis er den genau richtig stehenden Tobias Willers erreichte, der aus kurzer Distanz einschob. Diese frühe Führung gab den Sportfreunden enormen Aufwind und fast wäre der Spielstand aus Hinspiel nur wenige Minuten wieder hergestellt gewesen. Roman Prokoph wurde nach guter Vorlage in den Strafraum geschickt, mit dem Außenrist lenkte er den Ball knapp um rechten Pfosten (28.).

Eine ganz ähnliche Situation gab es nur sieben Minuten später. Hohnstedt hob das Leder auf der linken Seite geschmeidig über die RB-Abwehr, Prokoph nahm mit der Brust an, schoss aber wieder knapp vorbei. Dennoch hatte Lotte seit der Führung klar das Ruder in der Hand und ließ den Leipzigern kaum Möglichkeiten, ihr Spiel nach vorne zu entfalten.

Erst gegen Ende der ersten Halbzeit meldeten sich die Gäste dann öfter in der Offensive. Die gefährlichste Aktion löste SFL-Keeper Buchholz mit einer Superparade, nachdem Rockenbach da Silva im Strafraum frei auf ihn zulief. Dieser zog im Lauf nach rechts und versuchte einen Schuss aus spitzem Winkel, Buchholz ahnte dies und klärte mit einem Klasse-Reflex zur Ecke (43.). Auch Lotte hatte noch eine gefährliche Aktion vor dem Pausenpfiff, nach Ecke von links kam Roman Prokoph zum Kopfball, wie schon bei seinen Chancen zuvor ging auch dieser nur ganz knapp am Tor vorbei (45.).

Auch wenn die „Roten Bullen“ zum Ende des ersten Durchgangs etwas besser wurden und mehr Akzente nach vorne setzten, hinterließen die Sportfreunde den bisher überzeugenderen Eindruck. Die Führung war wie ein Befreiungsschlag, er brachte Mut und Kreativität ins Spiel nach vorne und ließ auch die Stimmung auf den Rängen aufkochen.

Ohne Wechsel ging es dann in die zweite Halbzeit, in der Lotte so weiter machte wie in Durchgang eins und die Rot-Weißen gehörig unter Druck setzte. Kurz nach Wiederbeginn wurde auch ins Netz getroffen, allerdings entschied das Schiedsrichtergespann auf Handspiel und der Treffer zählte nicht. Zuvor hatte sich Tim Gorschlüter auf der linken Seite die Grundlinie hochgedribbelt und einen hohen Ball in die Mitte gegeben, wo Roman Prokoph den Ball ins Tor buchsierte, diesen aber wohl mit dem Oberarm mitgenommen hatte (52.).

Die Sportfreunde ließen sich nicht entmutigen und kämpften für das eine Tor, was man mindestens benötigte, mit Leidenschaft und vollem Einsatz. Auch wenn sich die Spielanteile im Laufe der zweiten Halbzeit auf einem ausgeglichenen Niveau befanden, spielte sich das Walpurgis-Team immer wieder gute Chancen heraus. So etwa Aleksandar Kotuljac, sein Schuss von der Strafraumgrenze lenkte Gäster-Torhüter Coltorti gerade noch zur Seite.

Doch so gut Lotte auch spielte, ihnen rinn langsam aber sicher die Zeit davon. RB ließ sich nun bei einigen Aktionen natürlich auch auffällig viel Zeit, machten in der Hintermannschaft aber auch in den entscheidenden Situationen den Raum eng. Da die Sportfreunde immer mehr nach vorne werfen mussten, ergaben sich mehr und mehr Räume, die die Leipziger zwar zum Kontern einluden, jedoch keine große Gefahr brachten.

Bis zum Schluss gab es dann noch einige gute Möglichkeiten, doch die Zeit verging und verging. Schließlich gab es vier Minuten Nachspielzeit. Auch diese waren schon rum, da geschah das, womit im Stadion kaum einer noch gerechnet hatte. Bei der unmissverständlich letzten Aktion der regulären Spielzeit erlöste Dennis Schmidt jeden, der blau-weiß gestimmt war. Nach einem Schussversuch von der Strafraumgrenze kam der Ball abgefälscht auf die linke Strafraumhälfte, wo der eingewechselte Schmidt positioniert war und aus ca. acht Metern einschoss. Ein riesiger Jubelschrei ging durchs Stadion, die Erleichterung über die zunächst erreichte Verlängerung war riesengroß. Danach Pfiff Schiedsrichter Schriever die Partie direkt ab, kurz darauf begann die durch eine unglaubliche Moral erreichte Verlängerung.

Diese begann allerdings direkt wieder mit einem Tiefschlag für die Sportfreunde. Nach Ballverlust in der Nähe des Strafraums kam der Ball auf die linke Seite zum eingewechselten Matthias Morys, der bereits im Hinspiel getroffen hatte. Er setzte sich gegen die Lotteraner Abwehr durch und schoss dabei Kapitän Tobias Willers an, der den Ball unglücklich ins eigene Tor zum 2:1 lenkte. 

Es war eine wahre Gefühlsachterbahn, die die Spieler und die Zuschauer erlebten. Dies war der Heimmannschaft zunächst anzumerken, Leipzig war kurz darauf bei zwei Ecken hintereinander jeweils kurz davor den Sack zuzumachen, doch danach berappelten sich die Sportfreunde wieder und begannen wie schon zuvor, die benötigten Tore zu erzwingen.

Die zweite Hälfte der Verlängerung hatte gerade erst begonnen, die Hoffnung war noch da, doch in der 110. Minute setzte es dann den Todesstoß. Nach einem Missverständnis von Gerrit Nauber und Timo Kunert nahm Matthias Morys den Ball an sich und zog alleine aufs Tor zu. Buchholz stoppte ihn zwar, traf dabei aber sein Bein, es gab Elfmeter. Wie im Hinspiel trat Stefan Kutschke an den Punkt, wie im Hinspiel hatte Buchholz die richtige Ecke, wie im Hinspiel schlug der Ball rechts ein.

Damit hatte es sich ausgeträumt. Die restliche Spielzeit verlief, bis letztendlich der Schlusspfiff ertönte. Es wurde wieder nichts mit dem Aufstieg. Somit hatte eine Rekordsaison mit 86 Punkten und dem Meistertitel in der Regionalliga West, eine ganze Meisterschaftssaison ohne Niederlage im eigenen Stadion und die Tatsache, dass man RB Leipzig die erste Niederlage der Saison nach regulärer Spielzeit zugesetzt hatte, letztendlich nicht zum Aufstieg gereicht.



SF Lotte: Buchholz – Kunert, Willers, Nauber, Hohnstedt – Wingerter (76. Schmidt), Gorschlüter (85. Wiwerink) – Grieneisen (69. Chahed), Prokoph, Freiberger – Kotuljac

RB Leipzig: Coltorti – Rockenbach da Silva (61. Morys), Schulz, Röttger (76. Ernst), Kutschke, Hoheneder, Kaiser, Kammlott (85. Sebastian), Franke, Heidinger, Mueller

 

Tore: 1:0 Willers (25.), 2:0 Schmidt (90.+4), 2:1 Morys (96.), 2:2 Kutschke (110., Foulelfmeter)

Gelbe Karten: Heidinger, Rockenbach da Silva, Hohneder, Kamlott – Kotuljac, Wingerter, Hohnstedt, Prokoph, Wiwerink

Zuschauer: 5604

 

jw