Lotte - Viel mehr Fernsehkameras waren es vor einem Jahr auch nicht. Als Anfang August 2009 die Sportfreunde Lotte in der ersten Runde des DFB-Pokals auf VfL Bochum trafen, und 4408 das Stadionrund füllten, wurde die Partie live im TV übertragen. Auch am Dienstagabend verfolgten knapp eine Million Fernsehzuschauer das Spiel von ihrem Wohnzimmersessel aus, berichtete „Sport1“ doch live aus der SolarTechnics-Arena.
Tatsächlich aber dürften es weit mehr TV-Zuschauer gewesen sein, nicht gerade in Deutschland, dafür im Land der aufgehenden Sonne. Denn ein japanischer Sender hatte eigens ein Kamera-Team nach Lotte geschickt, um über die Partie zu berichten. Schließlich trug der japanische Nationalspieler Shinji Kagawa sein erstes Spiel für Borussia Dortmund aus. Am Montag erst war der kleine Wirbelwind aus seinem verlängerten Urlaub zurückgekehrt, da er mit der Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Südafrika weilte, am Dienstag wirbelte er im Stadion am Lotter Kreuz. Und das eben wollte sich das japanische Fernsehen nicht entgehen lassen. „Ich bin froh, endlich hier zu sein“, erklärte der 21-Jährige. „Jetzt möchte ich so schnell wie möglich Spielpraxis sammeln und so dem Team zum Sieg verhelfen.“ Das hat Kagawa mit einer nachhaltigen Leistung in Lotte schon getan.
Während der Japaner nahezu durchgängig lächelte, blickten einige Spieler von SF Lotte eher finster drein. Die verletzten Tim Gorschlüter (Syndesmosebandabriss), Timo Kunert und Sergej Neubauer (beide Adduktoren) fehlten verletzungsbedingt. Sebastian Stachnik saß zwar auf der Bank, kam aber, da noch angeschlagen, nicht ins Spiel. Auch nicht dabei war der am Montag verpflichtete Aleksandar Petreski wegen muskulärer Probleme. Dabei hätten gerade Petreski und Kunert so gerne gespielt. Der Ex-Mainzer hat vor zwei Jahren am Bruchweg noch unter Jürgen Klopp trainiert und hätte seinem ehemaligen Lehrmeister gerne gezeigt, was er dazu gelernt hat.
„Den Timo konnte ich nicht bringen, der wollte mit einem Schalke-Trikot auflaufen“, äußerte Trainer Maik Walpurgis scherzhaft. Sieben Jahre spielte der Flügelflitzer für die Knappen, da fließt noch ein wenig königsblaues Blut durch seine Adern. Außerdem sei er mit Patrick Owomoyela befreundet. „Den hätte ich gerne getunnelt“, meinte der verschmitzt lächelnde Kunert. Für seine Mitspieler hatte er dennoch ein dickes Lob parat: „Die haben sich bestens verkauft. Letztlich hat sich die Klasse der Bundesliga durchgesetzt. Aber wir haben es denen zumindest in der ersten Halbzeit ganz schön schwer gemacht.“
Beide Seiten schenkten sich während der abwechslungsreichen 90 Minuten nichts, wobei den Hausherren in der Schlussphase die Puste ausging. Sowohl der BVB als auch die Sportfreunde begannen im 4:2:3:1-System. Neuzugang Christian Erwig bildete die einzige Spitze. Tobias Willers übernahm den Posten von Florian Dondorf im zentralen Mittelfeld, da Neuzugang André Wiwerink für ihn neben David Czyszczon die Innenverteidigung bildete. Vor dem fehlerlosen Keeper Marcus Rickert spielte der ehemalige Dortmunder Michael Oscislawski rechts in der Viererkette. „Wir haben trotz der Umstellungen hinten sehr gut gestanden und die Ordnung behalten“, hat Tobias Willers erkannt. „Defensiv ist in der ersten Halbzeit nichts angebrannt. Im zweiten Durchgang hat man gemerkt. das Dortmund komplett durchgewechselt hat. Da waren wir ausgelaugt.“
Quelle: www.westfaelische-nachrichten.de - ALFRED STEGEMANN -
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