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15.07.2010 | „Wenn ihr aufsteigt, kommen wir wieder“
Schon während des Spiels schrieb der sympatische BVB-Trainer Jürgen Klopp (unten rechts) Autogramme für die Fans. (Foto: M. Mrugalla)

Lotte - In einem Interview mit unserer Zeitung hatte er es im Vorfeld zugegeben. Lotte, so äußerte Jürgen Klopp, habe er nur vom Autobahnkreuz her gekannt. Seit Dienstagabend weiß der Kulttrainer von Borussia Dortmund genau, wo die 10 000-Seelen-Gemeinde liegt. Und dass es dort einen höchst ambitionierten Sportverein gibt. „Die können richtig gut Fußball spielen. Das hat man gesehen“, gab Klopp nach interessanten 90 Minuten zu. Dass sich die Sportfreunde Lotte im Testspiel dem Bundesligisten am Ende mit 1:4 (1:0) geschlagen geben mussten, war zweitrangig. Viel wichtiger war, dass der Regionalligist dem Europa-League-Teilnehmer mehr als 45 Minuten lang Paroli geboten hat und zur Pause verdient mit 1:0 vorne lag.

Davon zeigte sich Dortmunds-Coach beeindruckt: „Das, was Lotte in der ersten Halbzeit gezeigt hat, war läuferisch und taktisch ganz hervorragend. Letztendlich hat sich unsere Klasse durchgesetzt, aber die Sportfreunde haben uns ganz schön zugesetzt.“ Dass sich Jürgen Klopp am Autobahnkreuz wohl gefühlt hat, machte er auch in der Pressekonferenz deutlich, als er den Sportfreunden ein Versprechen gab: „Wenn ihr aufsteigt, kommen wir wieder.“ Lottes Trainer Maik Walpurgis hörte das natürlich gerne, nicht so sehr allerdings die Lobdudeleien auf sein Team. Er verweist darauf, dass die Saison lang sei und viel passieren könne. Gleichwohl bemerkte er, dass seine Mannschaft alles unternehmen werde, damit Borussia Dortmund im kommenden Jahr wieder in der SolarTechnics-Arena auflaufen kann.

Die war am Dienstag „nur“ mit 4078 Zuschauern gefüllt. Nachdem im Vorverkauf schon 3000 Karten abgesetzt worden waren, hatten die Verantwortlichen auf mehr Besucher gehofft. Zufrieden war die Crew um Fußball-Obmann Manfred Wilke letztlich dennoch. Organisatorisch passte alles, zudem hatten die Zuschauer ein abwechslungsreiches Spiel gesehen.

Gleichermaßen froh und traurig war der Ex-Dortmunder Michael Oscislawski, der rechts in der Lotter Viererkette spielte: „Es war schon ein merkwürdiges Gefühl für mich. Ich habe zwölf Jahre lang für den BVB gespielt, oft auch mit der Bundesliga-Truppe gegen unterklassige Gegner. Heute stand ich auf der anderen Seite. Aber es ist ein toller Erfolg für uns, schließlich haben wir lange gegen einen Bundesligisten mitgehalten.“ Ärgerlich empfand er, dass Lotte nach dem Seitenwechsel so schnell eingebrochen ist: „In der ersten Halbzeit haben wir hervorragend gespielt. Das war für mich aber nicht überraschend. Wir trainieren sehr gut und intensiv, vor allem im taktischen Bereich. Im zweiten Durchgang haben wir die Ordnung verloren. Da hat sich dann die Klasse der Borussia gezeigt.“

45 Minuten lang aber spielten die Sportfreunde auf Augenhöhe mit dem Erstligisten und besaßen durch den flinken Youngster Stefan Lange­mann auch die erste Chance des Spiels (29.), die BVB-Keeper Roman Weidenfeller vereitelte. Nach einer knappen halben Stunde meldeten sich auch die Gäste, als der kleine Tomas Hajnal einen Kopfball nach Flanke von Shinji Kagawa nur knapp neben das Gehäuse setzte.

In der 36. Minute zeigte Schiedsrichter Bastian Börner (Iserlohn) völlig zurecht auf den Punkt. Ex-Nationalspieler Sebastian Kehl hatte zuvor Christian Erwig umgerissen. Den fälligen Strafstoß hämmerte wie schon beim 1:0-Sieg am vergangenen Freitag gegen SV Werder Bremen II Benjamin Wingerter in die Maschen zur 1:0-Pausenführung.

„In der Kabine ist es schon ein wenig laut geworden“, gab Kevin Großkreutz zu, der in der zweiten Halbzeit ins Spiel gekommen war. „Unser Trainer war nicht zufrieden. Wir haben zu viel klein, klein gespielt und zu wenig den Abschluss gesucht. In der zweiten Halbzeit wollten wir das Ding unbedingt drehen und haben mehr Gas gegeben.“ Durch gleich acht Auswechslungen des BVB schien Lotte verunsichert und verlor die Ordnung. Mit einem Fallrückzieher der Marke „Tor des Monats“, sorgte der hoch gehandelte Neuzugang Robert Lewandowski drei Minuten nach Wiederanpfiff für den Ausgleich, ehe der große Auftritt von Dimitar Rangelov folgte. Mit einem lupenreinen Hattrick (54., 67., 76.) sorgte er fast im Alleingang für den 4:1-Erfolg der Borussia. Die Sportfreunde Lotte, die in der ersten Halbzeit noch so gut dagegen gehalten hatten, hatten dem nichts mehr entgegenzusetzen, durften insgesamt aber mit ihrem Auftritt zufrieden sein. Das war letztlich auch BVB-Trainer Jürgen Klopp, der sichtlich Spaß hatte und sich stets gerne an Lotte erinnern wird, auch wenn er mal am ihm bekannten Autobahnkreuz im Stau stehen sollte.

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Quelle: www.westfaelische-nachrichten.de - ALFRED STEGEMANN -

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